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An Aus


#1

Jerome's Hundstage

in Hund's Tage - Zeigt her Eure Hunde 27.06.2016 18:54
von BoardButler • Admin | 30 Beiträge | 29 Punkte

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Meinen Namen kennen Sie ja schon und wie Sie unschwer erkennen können, bin ich ein waschechter Pekinese auf 4 Pfötchen, die sich inzwischen aber zur Ruhe begeben haben und nun nicht mehr auf der Erde verweilen. Doch ich lebe weiter - im Land hinter'm Regenbogen und in den Herzen von meinem Frauchen und meinem Herrchen, denn ich weiß, ich bin nicht vergessen.



Woher ich mal kam, wußte wohl niemand so genau, am allerwenigsten ich. Aber ich denke, es ist auch nicht so wichtig, woher man kommt. Wichtig für mich war nur, wohin ich ging. Und dieser Weg führte mich über Umwege irgendwann direkt in mein kleines Hundeparadies, wo ich viele Jahre mit meinen Lieben glücklich sein durfte.

Doch immer hübsch der Reihe nach ...


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Sie wissen zwar nun schon eine ganze Menge über mich, aber kennen noch nicht meine Lebensgeschichte. Wenn Sie mehr über mich erfahren möchten, dann kommen Sie ruhig etwas näher. Ich nehme Sie mit auf eine Reise in ein trauriges Kapitel meiner Vergangenheit, in mein zweites Leben voller Glück, doch überschattet von Krankheit, Schmerz und Kummer, und einem schönen Lebensabend.


Ob meine ersten fünf oder vielleicht auch sechs Lebensjahre gut oder schlecht waren, ob ich glücklich oder traurig war, habe ich aus meiner Erinnerung verdrängt. Nur ein einzigster Tag hat sich tief in meine Seele gebrannt, so daß ich ihn niemals vergessen konnte.

Dabei war es ein ganz normaler Tag im Sommer 2005. Doch etwas war dann plötzlich doch anders, denn meine damalige Family rüstete sich ohne Vorankündigung zu einem Ausflug ins Grüne, und so hoffte ich, daß es auch ein schöner Tag für mich werden würde. Als mein Herrchen dann auch noch zur Hundeleine griff, schlug mein kleines Herz vor lauter Freude Purzelbäume. Ich sprang in die Luft, rollte mich über den Boden und tanzte immer und immer wieder um die Beine von Frauchen und Herrchen herum. Dabei war mir eigentlich so gar nicht zum Tanzen, denn ich war schon seit Tagen krank und hatte starkes Bauchweh, aber das Glück und die Freude über einen gemeinsamen Ausflug ließen mich alle Schmerzen vergessen.

Schon bald ging es ab ins Auto und ich drückte mich ganz still in den Autositz, um Herrchen und Frauchen auch ja nicht zu verärgern. Dann waren wir am Ziel, und ich konnte es kaum erwarten, über grüne Wiesen zu tollen und mit den Beiden zu spielen. Nur mein geliebter Ball wurde vergessen, was ich ganz schön blöd fand. Mit einem Satz sprang ich aus dem Auto. Aber wo waren die Wiesen? Weit und breit waren keine Wiesen zum Herumtollen zu sehen, statt dessen nur Wald und schmale Wege. Na gut, dachte ich, dann muß ich mich eben etwas zurückhalten und werde einfach den Spaziergang genießen. Doch auch hier hatte ich falsch gedacht, denn es ging durch Gestrüpp und querfeldein. Der Spaziergang wurde zu einem echten Hindernislauf und machte mir so gar keinen Spaß. Doch nicht nur das - zu allem Übel wurde ich plötzlich auch noch an einen Baum gebunden. Geduldig ließ ich alles mit mir geschehen, denn um Frauchen und Herrchen zu gefallen, würde ich alles über mich ergehen lassen. Aber vielleicht war es ja ein neues Spiel, das ich noch nicht kannte und das sich meine Menschen für mich ausgedacht hatten? Vielleicht wollten sie mich ja damit überraschen? Ich war ganz schön gespannt und verhielt mich muchsmäuschenstill, während Herrchen und Frauchen zwischen den Bäumen verschwanden. Sicher wollten sie sich nur verstecken und ich durfte sie dann suchen. Nur wie soll ich sie finden, wenn ich doch angebunden bin? Was für ein lustiges Spiel? Doch ich vertraute meinem Frauchen und meinem Herrchen und dachte, sie würden schon wissen, was sie tun. Geduldig wartete ich auf die Dinge, die da kommen würden. Aber trotz meiner unsäglich langen Geduld kam da nichts, nicht einmal Herrchen oder Frauchen. So laut ich auch bellte, weinte, jaulte, wimmerte und herumzappelte, sie schienen wie vom Erdboden verschluckt. Ich kam mir vor, wie in Grimm's Märchen. Doch dann fiel es mir urplötzlich wie Schuppen von den Augen - es war Grimm's Märchen - ich war ausgesetzt !!!

Unendlich tiefe Traurigkeit überkam mich und ich verstand die Welt nicht mehr - warum ich? Was hatte ich meinen Menschen, die ich sooo sehr liebte, nur angetan, daß sie mich so hart bestraften? Ich hatte doch niemandem ein Leid zugefügt, niemanden gebissen, versuchte immer brav zu sein, und denke, auch ansonsten ein ganz liebenswertes, putziges, anhängliches, kleines Kerlchen zu sein, das eine solche Behandlung nicht verdient hatte. Na ja, ich gebe zu, schon das eine oder andere Mal in Schuhe gebissen zu haben, wenn ich jemanden partout nicht leiden konnte, aber wirklich ein Haar habe ich keinem gekrümmt. Ich war von den Menschen zutiefst enttäuscht. Der Bauch tat mir weh, ich hatte Hunger, Durst und Angst, daß mein kurzes Hundeleben nun ein jehes Ende finden würde. Mir wurde kalt, denn die Nacht brach langsam herein und der Waldboden wurde immer feuchter. Irgendwie schien mir das Glück wohl abhanden gekommen zu sein. Aber wie sollte ich es in dieser mißlichen Lage je wiederfinden? Dabei brauchte ich es doch sooo dringend, sogar eine riesige Portion davon, wenn ich den nächsten Morgen noch erleben wollte. Kummer, Angst und Schmerzen ließen meine Augenlider schwer werden und ich fiel in einen tiefen Schlaf. Vielleicht war ja alles nur ein böser Traum ...



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Vorsichtig öffnete ich zuerst ein Auge, dann das Zweite und blinzelte in die Sonnenstrahlen, die durch die Bäume auf den Waldboden fielen. Träumte ich oder war bereits ein neuer Tag angebrochen? Doch da waren sie wieder - die schrecklichen Bauchschmerzen und die tiefe Traurigkeit, und plötzlich wußte ich, daß es kein Traum und ich offensichtlich auch noch am Leben war. Kein wildes Tier hatte mich zerrissen, kein Schmerz mein Herz stillstehen lassen und kein Kummer mir den Atem genommen. Sollte ich nun hierüber glücklich oder unglücklich sein? Ich war verunsichert und beschloß, es als gutes Zeichen zu werten. Der noch immer feuchte Waldboden schien mir nicht gut zu tun, denn mir war kalt und die Bauchschmerzen wurden immer schlimmer. Nur zu gern hätte ich jetzt meinen unsäglichen Durst gestillt, aber es fiel kein einziger Regentropfen vom Himmel. Ich fühlte mich hundeelend, als ich plötzlich aus der Ferne Autos und Stimmen hören konnte. Vielleicht sind das ja Herrchen und Frauchen? Vielleicht tut es ihnen ja leid, was sie mir angetan hatten, und suchten jetzt nach mir? Vielleicht aber war ja doch nur alles ein Spiel und jetzt ist das Spiel zu Ende? Fragen über Fragen schossen mir durch den Kopf und erneute Angst machte sich in mir breit. Oh je, oh je, was für ein neuer Tag, und was für ein Angsthase war ich geworden. Das entsprach so gar nicht meinem Charakter. Ich wollte lauthals bellen und mich bemerkbar machen, aber das Herz schlug mir bis zum Hals und rutschte mir dann in die Hose, so daß ich keinen Ton herausbrachte. Doch dann nahm ich all meinen Mut und all meine Kraft zusammen und bellte so laut ich nur konnte, doch niemand schien mich zu hören. Die Stimmen wurden leiser und leiser, und irgendwann verstummte auch mein Gebell und übrig blieb ein klägliches Winseln als Ausdruck meiner Hoffnungslosigkeit. Doch plötzlich waren die Stimmen ganz nah und eine Hand berührte mich behutsam, streichelte vorsichtig meinen Kopf und befreite mich aus meiner erbärmlichen Lage. Und das waren nicht Herrchen und Frauchen !!!

Ein fremder Mann sprach ganz leise und beruhigend zu mir, nahm mich auf den Arm, trug mich zu einem Auto, gab mir Wasser und hüllte mich in eine warme Decke, denn ich zitterte trotz des heißen Sommertages am ganzen Körper wie Espenlaub. Dankbar blickte ich in seine freundlichen Augen, dann fuhr er mit mir in eine ungewisse Zukunft davon.

Ich konnte es kaum glauben, aber ich schien gerettet zu sein. Mit einem tiefen Seufzer fiel ich vor Erschöpfung, Schmerz und Kummer erneut in einen tiefen, festen Schlaf ...



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                                                                                         ... und erwachte erst wieder durch lautes Bellen und Miauen in den unterschiedlichsten Tonlagen und das Stimmengewirr aufgeregter Menschen, die mit besorgter Mine um mich herumstanden - im Tierheim in Alsfeld. Ich hörte einen Mann im weißen Kittel sagen, daß ich sehr krank sei und wegen eingewachsener Hoden sofort operiert werden müßte.

Deshalb also das starke Bauchweh - Aber warum haben mir Herrchen und Frauchen nicht geholfen, wenn ich doch so krank war? Warum haben Sie mich statt dessen allein gelassen und sich nicht mehr um mich gekümmert? Erneut überkam mich tiefe Traurigkeit und Enttäuschung, und ich beschloß, keinen weiteren Gedanken mehr an die Beiden zu verschwenden.

Doch hier ist meine Botschaft aus dem Regenbogenland an diese beiden herzlosen Menschen: Vielleicht führt Euch ja der Zufall auf diese Seite und Ihr erkennt Euch. Warum??? Warum habt Ihr mir das angetan? Ich hatte Euch vertraut und geliebt und hätte alles für Euch gegeben. Ich habe damals überlebt und durfte noch fast 9 Jahre lang zwei Menschen glücklich machen, die mich in allen Lebenslagen bedingungslos über alles liebten, genauso wie ich sie, und die mich noch heute lieben, obwohl ich nicht mehr unter ihnen bin, aber tief in ihren Herzen. Zwei Menschen, die sich an meinen Mätzchen erfreuten und die mein Wesen und meine bedingungslose Hingabe zu schätzen wußten. 9 lange Jahre, in denen Mensch und Hund eine Einheit waren. Ihr hattet meine Liebe und Hingabe nicht verdient - Ihr hattet mich nicht verdient !!!

Vielleicht war es ja ein kleines Wunder und ein Wink des Schicksals, daß mich ein Mensch mit Verantwortungsgefühl fand und mir so das Leben rettete. So konnte ich schließlich die Erfahrung machen, daß es auch noch andere Menschen gab als die, die ich bisher kennengelernt hatte - Menschen mit einem großen Herz für Tiere. Vielleicht würde ich ja doch noch mein verlorenes Glück wiederfinden??? Doch erst einmal mußte ich gesund werden und wieder zu Kräften kommen, und mein starker Wille sollte mir dabei helfen. Denn eines hatte ich gelernt - was mich nicht umbringt, macht mich stark !!!  Zu dem Zeitpunkt ahnte ich allerdings noch nicht, wieviel Kraft und Stärke mir das Leben noch abverlangen würde ...



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Nur zu gern hätte ich meinem unbekannten Retter ein dankbares Pfötchen entgegengestreckt, aber so wie er aus dem Nichts kam, so war er auch wieder ins Nichts verschwunden - vielleicht um anderen Tieren zu helfen.




Doch auch die Tierpfleger und Helfer in den vielen Tierheimen verdienen unser aller Dank, denn sie kümmern sich tagein, tagaus liebevoll um die vielen Tiere, die kein eigenes Zuhause haben und viele von ihnen auch nie haben werden.



Ich hatte alles gut überstanden und war auf dem Weg der Besserung. Wieder etwas zu Kräften gekommen durfte ich mit jedem Tag etwas mehr mit den vielen anderen Hunden spielen, nach Herzenslust herumtollen und ganz Hund sein. Nach anfänglicher Skepsis wurden auch wieder die Spaziergänge mit den Pflegern zu einem tollen Erlebnis, denn ich begann langsam wieder Vertrauen in Menschen zu bekommen. Nur mit der Herzenslust war das so eine Sache - meine kleine Seele war wohl sehr verletzt und wollte nicht so recht heilen. Ich war oft sehr traurig und sehnte mich trotz der großen Enttäuschung nach einem trauten Heim, einem kuschligen Körbchen und nach einem Menschen für mich ganz allein, der mich genauso lieben würde, wie ich ihn. Die Pfleger schauten mich immer öfter besorgt an, und eines Tages hörte ich sie sagen, daß für mich ein großer Aufruf im Fernsehen starten sollte, damit ich so schnell wie möglich in liebevolle Hände käme, die mir wieder Freude am Leben geben und meine kleine Hundeseele heilen lassen. Soviel Trara nur wegen mir - vielleicht war ich ja doch etwas ganz Besonderes??? Jedenfalls war ich mächtig stolz und voller Erwartung ...



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... als nur wenige Tage später die Tür aufging und ein freundlich dreinschauendes Pärchen hereinspazierte. Neugierig und erwartungsvoll schauten wir Hunde, die im Besucherraum herumbalgten, zu ihnen auf und heimsten erst einmal Leckerlis ein. Jeder von uns dachte in diesem Moment wahrscheinlich dasselbe - waren sie etwa meinetwegen da? Und wenn ja, würde ich ihnen gefallen und würden sie mich haben wollen? Mein kleines Herz schlug mir abermals bis zum Hals aus Angst, abgelehnt zu werden, wenngleich auch Beide ganz besonders von mir hingerissen schienen. Zuerst beschnupperten wir uns vorsichtig. Von meiner Seite war es Liebe auf den ersten Blick, besonders zu dem weiblichen Teil des Gespanns, und dann machten wir gemeinsam unseren ersten Spaziergang. Immer wieder blickte ich mich um, ob die Beiden auch noch hinter mir waren, und jedes Mal fiel mir ein Stein vom Herzen, wenn ich sie erblickte. Zurück im Heim wurde ich ganz schön auf die Folter gespannt. Die Menschen redeten und redeten und konnten kein Ende finden. Doch als sie mir dann eine neue Leine anlegten, stockte mir vor lauter Aufregung fast der Atem, denn ...

                                                                                                                              ich hatte wieder ein Frauchen und ein Herrchen !!!

Was war ich glücklich, daß sich erfüllen sollte, wonach sich mein kleines Herz so sehr gesehnt hatte. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sagte ich allen Lebewohl und spazierte, ausgestattet mit den besten Wünschen und Ratschlägen der Tierheimbetreuer, mit den Beiden zum Auto. Traurig hörte ich das Frauchen sagen, daß sie am liebsten alle Hunde mitgenommen hätte, was natürlich nicht ging, denn dann hätte sie ein Tierheim gehabt. Ich war mir ganz sicher - bei diesen Menschen war ich gut aufgehoben. Zum ersten Mal konnte ich im Auto mit meinem neuen Frauchen kuscheln und die Aussicht genießen. Es war der 21. August 2005 als mein Leben neu begann, und mit jedem Kilometer kamen wir meiner neuen Heimat und meinem neuen Zuhause näher ...





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Ich fühlte mich sofort heimisch, als ob ich hier schon immer hingehört hätte, wurde von Frauchen und Herrchen liebevoll "Jeromi" genannt und mein neues Zuhause war mein kleines Paradies. Zwar hatte ich keine anderen Tiere zum Spielen außer langweilige Fische, aber das störte mich nicht wirklich. Ich hatte einen Garten, in dem ich herumtollen konnte, und Hunde in der Nachbarschaft, aber mit denen hatte ich eh nicht so viel am Hut. Ich hatte gefunden, wonach ich so lange suchte - Menschen, die es wirklich gut mit mir meinten mit einem großen Herz für alle Tiere, zwei Menschen, die Tag und Nacht für mich da waren, die mich umsorgten, wenn es mir nicht gut ging, zwei Menschen, die mir alles gaben und mich genauso sehr liebten wie ich sie.



Jeromi im Grünen

Besonders mein Frauchen und ich waren ein Herz und eine Seele, und ihr Weg war auch stets mein Weg. Ich hatte auch Herrchen sehr lieb, aber mein Frauchen war mein Herzschlag. Ich war Tag und Nacht an ihrer Seite, hab auf einem kuschligen Bettvorleger über ihren Schlaf gewacht und bin nie ohne sie aufgestanden. Ging sie duschen, habe ich vor der Badtür aufgepaßt, daß sie auch ja keiner klaut, und wenn sie sich vor dem Spiegel aufhübschte, habe ich mich ganz dicht an ihre Versen geschmiegt, um ihre Nähe zu spüren. Ich war ihr so nah, wie es kaum ein Mensch sein konnte. Nur zu gern hätte ich den ganzen Tag mit ihr gespielt, doch das ging leider nicht und das verstand ich auch, denn die Beiden haben eine Baufirma und mein Frauchen mußte deshalb viel Zeit am Computer verbringen. Na ja, ich war nicht gerade begeistert, aber von etwas mußte der Schornstein ja rauchen. Ich lag ihr dann zu Füßen, unter dem Schreibtisch oder im Aktenregal, genoß das schöne Wetter auf dem Balkon oder im Garten und ganz besonders die ersten Sonnenstrahlen im Frühling. Wenn es mir dann aber mit der vielen Arbeiterei zu bunt wurde, konnte ich schon mal ein richtiger kleiner Teufel werden. Schließlich mußte ich doch hin und wieder zeigen, wer wirklich der Herr im Haus war und die Hosen anhatte.




Doch etwas trübte meinen Hundealltag gewaltig - und das war der Staubsauger, mit dem ich tagein, tagaus auf Kriegsfuß stand. Wann immer Frauchen oder Herrchen das Monster anwarfen, wurde ich fuchsteufelswild und versuchte, in die Teppichbürste zu beißen. Leider brachte mir das recht wenig, denn erbarmungslos wurde weiter gesaugt und gereinigt, was ich als Angriff auf mein kuschliges Hundekörbchen wertete. Hundekörbchen - was war das noch gleich? Ich hatte sie zwar, wollte sie aber nicht mehr. Ich hatte die ganze Wohnfläche zu meinem Körbchen erklärt, denn überall lagen dicke Auslegewaren und kuschlige Teppiche, auf denen ich nach Herzenslust herumkullern konnte. Wann immer ein Fremder zu Besuch kam, biß ich wütend in seine Schuhe, denn schließlich trampelte er auf und in meinem kuschligen Hundekörbchen herum und das konnte ich nicht dulden. Aber auch Wasser und Fön waren nicht gerade meine Welt und so hatte Frauchen schon ihre liebe Not mit mir. Doch die Beiden waren mir nie wirklich böse und lachten statt dessen über meine Mätzchen. Wenn Frauchen dann auch noch zu mir sagte: "Jeromi, erzähl mal Frauchen was", dann habe ich zu ihr gesprochen, und das ist bei Hunden etwas ganz Besonderes. Natürlich waren das keine für den Menschen verständlichen Worte und jeder konnte sehen, daß es mir große Anstrengung bereitete, die Laute hervorzubringen, aber ich konnte so mit meinen Menschen sprechen. Doch ich konnte nicht nur sprechen, ...






... ich konnte auch lachen und die wiedergewonnene Lebensfreude stand mir ins Gesicht geschrieben. Und nun soll noch einer sagen, Hunde können nicht lachen - da lachen ja sogar die Hühner.



Ein ganz besonderes Erlebnis waren jedoch die Besuche bei der Omi im Seniorenheim. Die weit über 90jährige alte Dame war die Mama von meinem Herrchen und lebte bis zu meinem Einzug bei den Beiden. Sie wurde liebevoll gepflegt bis sich ihr Gesundheitszustand so sehr verschlechterte, daß eine häusliche Pflege nicht mehr möglich war. Omi hat sozusagen den Platz für mich freigemacht und dafür besuchte ich sie so oft es nur ging. Die alten Leutchen freuten sich immer gaaanz doll, wenn sie mich sahen und sie mich streicheln durften. Ich denke, ich brachte Freude und Abwechslung in ihr triestes Leben ...




... bis zu jenem Tag, als sich kurz nach ihrem 101sten Geburtstag Omi's Augen für immer schlossen. Wir waren alle sehr traurig, aber Freud und Leid liegen eben oft sehr dicht beieinander.



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Ich hatte mein Glück wiedergefunden und wußte, daß ich es mit meinen kleinen 4 Pfötchen ganz doll festhalten mußte und nie wieder loslassen durfte. Meine kleine Hundeseele war nach und nach wieder geheilt, die schrecklichen Erlebnisse verblaßt und mein Glück hätte nicht vollkommener sein können, wenn da nicht ...



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... ja, wenn da nicht der liebe Gott gewesen wäre. Und der hat es wohl nicht so besonders gut mit mir gemeint, denn als er die Krankheiten verteilte, hatte ich immer lauthals "hier" gerufen. Das war wohl nicht so besonders schlau von mir und hat mich so zum Sorgenkind gemacht.



Mein Frauchen war deshalb oft sehr, sehr traurig und hat viel geweint, und ich wußte, sie weinte um mich. So viele Male hat sie ganz still und leise von mir Abschied genommen, wenn ich wieder einmal sehr krank und auf dem Weg zur Regenbogenbrücke war. Doch ich kehrte immer wieder um, denn ich wollte sie doch glücklich machen - so glücklich wie sie mich machte.




Wir Tiere wissen, daß ein Abschied von unseren geliebten Menschen kein Abschied für immer ist und wir unsere Lieben eines Tages an der Regenbogenbrücke wiedersehen und dann für immer mit ihnen vereint sein werden. Doch ich wollte nicht so lange auf mein Frauchen und mein Herrchen warten müssen und ohne sie sein, deshalb entschied ich mich für einen langen, steinigen Weg durch's Leben.



Und es war ein sehr langer Weg, denn trotz allem wurde ich vierzehn, vielleicht auch fünfzehn Jahre alt, als mich Frauchen und Herrchen schweren Herzens am 24. Januar 2014 erlösten. Doch selbst im Angesicht des Todes wollte ich nicht gehen und kämpfte um jeden Atemzug bis mein kleines, starkes Herz zur Ruhe kam. Ich war eben ein sehr eigenwilliges, kleines Kerlchen - wie die Chinesen halt nun mal sind.
















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Regenbogenland

Trauergedicht



So schwer wie mir der Abschied fiel, so schwer fiel er auch meinem Herrchen und ganz besonders meinem Frauchen. Am 07. Februar 2014 trat ich dann meine letzte Reise an - die Reise ins Licht, und wieder wurde ich von Frauchen und Herrchen begleitet, die mir eine rote Rose mit auf die Reise gaben. So bin ich noch immer bei ihnen - nur eben in einer anderen Form.

Ich weiß, daß mein Frauchen und mein Herrchen in Gedanken immer bei mir sind und mein Frauchen auch heute noch sehr traurig ist, obwohl es wieder eine kleine Fellnase in ihrem Leben gibt - den kleinen Moky aus Malta, den die Beiden genauso sehr lieben wie mich. Ich weiß auch, daß mein Frauchen ganz viele Zweifel quälen - ob sie zu sehr den Ärzten vertrauten, ob sie mit meiner Erlösung zu lange gewartet haben oder ob es vielleicht doch zu früh war und, und, und ...

Doch das ist Quatsch - ich war glücklich, und das ist alles was zählt. Wenn es etwas gab, das anders hätte laufen sollen, dann haben es Frauchen und Herrchen nicht besser gewußt. Ich weiß, sie haben immer nur das Beste für mich gewollt. Alles ist gut, so wie es jetzt ist - ich bin von aller Erdenlast befreit, tolle mit den anderen Tieren im Land hinter'm Regenbogen umher und warte auf mein Frauchen und mein Herrchen.



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Vor welche Rätsel ich die Ärzte immer und immer wieder stellte, wie ich Erkrankungen durchlebte, die kein Arzt kannte, mit Krankheitsbildern, die noch nie ein Arzt gesehen hatte, wie mir mein Frauchen unbewußt das Leben rettete und ich dadurch einen bösartigen Lebertumor besiegen konnte, welchen erbitterten Todeskampf ich am Tag meiner Erlösung führte u.v.m. erfahren Sie demnächst ...



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zuletzt bearbeitet 25.09.2017 18:01 | nach oben springen


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